Einwurf: Der Tagesspiegel auf dem iPhone
Oder: warum PDF Zeitungen auf einem Smartphone niemals Sinn machen.
Ausschlaggebend für diesen kurzen Text war für mich eine Betrachtung der Tagesspiegel App, die ich heute bei iFun gelesen habe (hier). Und obgleich ich iFun normalerweise sehr schätze, hat mich dieser Artikel zu einer gegenteiligen Betrachtung bewogen.
Zum Hintergrund: Der Tagesspiegel ist auf dem iPhone als Newsstand-Applikation erhältlich und besteht aus einem “Online”-Teil, der ähnlich einer mobilen Seite oder App die neuesten Nachrichten enthält sowie einem ePaper-Teil, der die PDF Ausgabe des Tagesspiegel 1zu1 auf dem iPhone anbietet. Allein der Gedanke, die großformatige Zeitung einfach in das kleine Display zu “stopfen” muss doch schon stutzig machen. da hilft es auch nicht, dass die Artikel “tap-bar” sind und nach einem solchen Tap eine “Nur-Text-Leseansicht” offerieren. Denn durch die Verkleinerung sind größtenteils nicht einmal die Überschriften der Artikel lesbar. D.h. ich muss als Nutzer jedes mal umständlich in das PDF hinein-zoomen, um die Artikel überhaupt zu identifizieren. Selbst auf dem wesentlich größeren iPad ist diese Art der digitalen Zeitung höchstens als anzubietendes Minimum anzusehen, aber keineswegs als dem Medium gerecht werdendes Produkt.
Es hat schon einen Grund, warum eine gedruckte Zeitung die gewählte Größe hat. Alles ist darauf ausgelegt gut lesbar zu sein - was wohl ohne Zweifel als eine der wichtigsten Eigenschaften angesehen werden kann. Diese ungemein wichtige und hohe Gut wird durch die Verkleinerung auf das iPhone Display völlig ad absurdum geführt. Und die Markierung einzelner Artikel durch eine Umrandung zu ermöglichen ist wahrlich keine Innovation, sondern letztlich nur ein Krücke, um das ungeeignete Format auf dem kleinen Display überhaupt benutzbar zu machen.
Schade, dass die Herren Verleger zum Teil immer noch nicht verstehen, dass diese Art von Applikationen nun wirklich nicht im geringsten dem Medium Smartphone (oder in Teilen auch Tablet) gerecht wird. Sehr schade ist es aber auch, wenn aus der mobilen “Fachwelt” eine solche UX-Krücke auch noch mit Lob bedacht wird. Und das gerne angebrachte Argument, dass die Leute es doch lesen, zählt nur bedingt, solange es an vernünftigen Alternativen mangelt - die Leute wollen so stark lesen, dass sie die Krücken in Kauf nehmen. Das darf aber auf keinen Fall als Zustimmung gewertet werden! Doch die meisten Verlage konzentrieren sich ja lieber auf das meckern und klagen (Stichwort “Leistungsschutzrecht”…), anstatt wirkliche Innovation oder zumindest solide Arbeit zu liefern.
Schade!